„So ging das stundenlang, er säuberte die Welt, brachte den Augiasstall in Ordnung, bahnte den Weg für die Verbrüderung der Menschheit und das Reich der Gedankenfreiheit.“
aus SCHWAB, G.: Sagen des klassischen Altertums. München. 1965
Von Michael Springer
Europa befindet sich in einer tiefen Krise — Die Bundesrepublik Deutschland steht als bisher drittgrößte Volkswirtschaft der Welt in einer grundstürzenden wirtschaftlichen Systemkrise. Und auch das Land Berlin steht damit in einer tiefen fiskalischen und volkswirtschaftlichen Krise! — Öffentliche Haushalte sind vielerorts überschuldet, implizite Staatsschulden wachsen, Armut verfestigt sich. Gleichzeitig entfaltet sich eine Startup-Kultur, die keine nachhaltigen Effekte für Beschäftigung und Stadtentwicklung hat. Weite Teile der Gesellschaft und Stadtgesellschaft werden in Berlin ökonomisch abgehängt. Und das Land Berlin und seine 12 Bezirke stehen mit ihren Verwaltungen unter gewaltigen Sparzwängen.
Zur Krise tragen auch Verwerfungen in der Medienlandschaft bei. die immer auch die Kulturmetropole Berlin und die Arbeitsbedingungen für Künstler, Musiker, Designer und digitale Creators in der Kreativ- und Kulturwirtschaft betreffen.
Armut, Gentrifizierung, Prekarisierung und Verdrängung werden dabei maßgeblich durch eine weitgehend ungesteuerte Digitalisierung und die „stille digitale Unterwerfung“ unter die Regeln der Datenökonomien und ihre unüberschaubaren „AGB´s und Disclaimer“ verursacht.
Die Folgen: Sehende Menschen, freie Bürger und hoch gebildete Europäer unterwerfen sich dabei „unsichtbaren Algorithmen, verschenken Individual-Daten und Bürgerrechte, und lassen dabei immer mehr Entfaltungsfreiheiten hinter sich. Auch politische Parteien und die informellen und kulturellen Eliten des Landes verändern sich. Das Leitbild der Offenen Gesellschaft und ihre Denk- und Kulturmuster galt nur für den analogen Raum. Im medialen, digitalen, vernetzten und lokal und individuell entgrenzten Kommunikationsraum und in der Medien- und Kanalvielfalt gelten neue Regeln und Gesetze.
Die von US-Vizepräsident J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz geäußerte Kritik an der Einschränkung der Meinungsfreiheit und gemeinsamen demokratischer Grundwerten bestätigt dabei einen großen Trend (Rede von J.D. Vance am 14.02.2025 in der ARD-Mediathek).
Zivilisatorische Folgen der Digitalen Agenda
Freiheiten, Entfaltungsfreiheiten und unsere wertegeleitete europäisch geprägte Kultur werden dabei immer neu auf die Probe gestellt. Im freien Wettbewerb und in der arbeitsteilig organisierten Metropole stellt das ein herausforderndes und interkulturelles digital-mediales Umfeld her, das konstruktiv, nutzbringend und auch bereichernd wirken kann, wenn es denn „sichtbar, erkennbar und nutzbar“ ist.

Die „Digitale Agenda der Europäischen Union“ vernachlässigte es seit mindestens 2014, die notwendigen informellen und medialen Grundbedingungen zu schaffen, um Demokratie, Grund- und Bürgerrechte und Freiheiten und Entfaltungsfreiheiten zu wahren. Informations- und Pressefreiheit, die freie individuelle Meinungsäußerung, Neutralität der Öffentlich-Rechtlichen Medien sind mit der Dominanz der Plattform- und Netzwerk-Ökonomien in Gefahr geraten:
- Journalismus und Lokaljournalismus sind dem Diktat der „Klickökonomien“ ausgeliefert worden. Die Ökonomie der Publikationen und Nachrichtenproduktionen wurde einem regulativen Diktat der Medienagentur-Netzwerke, Plattform-Regeln unterworfen.
- Journalismus wurde abhängig von Reichweiten- und Skalierungsregeln und digitalen Technologien.
- Lokaljournalismus wurde ab 2014 praktisch ignoriert und der „passiven Sanierung“ überlassen.
Es sind schleichende, kaum erkennbare Ergebnisse der Digitalisierung und Digitalen Kommunikationsformen und Kommunikationstechnologien, die auch Eliten, politische Parteien, den Staat und dessen Institutionen betreffen und verändern.
Am Ende steht nicht mehr der freie Bürger, sondern das informell gelenkte, desinformierte und auch kuratierte und digital und medial betreute und geleitete Individuum. Die Stadtgesellschaft in der Metropole Berlin existiert danach nicht mehr als Offene Gesellschaft, sondern als ein Nebeneinander „informeller Kiezgesellschaften“, „Social-Media-Freundeskreise und Social-Media-Lobbies.“
In Berlin sind diese informellen Cluster weit ausdifferenziert und entfalten kaum noch durchschaubare Eigenkräfte und Agenden.
Journalismus und Lokaljournalismus in der Augias-Falle
Der Journalist ist heute noch überwiegend abhängig von einer Finanzierung durch Marketingbudgets, Anzeigen und „Klickökonomien.“ — Solange Zeitungen im Werbemarkt große Gewinne machten, konnten Verleger ihre Redaktionen generös an jedem Thema arbeiten lassen. Mit der großen Abwanderung der Werbebudgets in soziale Medien und Out-of-Home-Medien wird dem Journalismus systematisch die Einkommensbasis entzogen. „Clickonomics“ tragen betriebswirtschaftlich nicht mehr die Kosten der Redaktion und Recherche. — Eine „Zombifizierung“ des Journalismus setzt ein, Pressefreiheit engt sich auf das wirtschaftlich ‚Machbare ein. Im Zweifelsfall ist es ein betriebswirtschaftliches „Nichts.“ — Das Ergebnis ist das Redaktionssterben, das Zeitungssterben und die Entstehung von Lokalzeitungswüsten.
Insbesondere der Lokaljournalismus steckt in der „Augias-Falle“, denn der dauerbeobachtende Lokaljournalist ist eine Art „moderner Herkules“, der den „Fluss der Presseöffentlichkeit“ durch den ganz alltäglichen Miststall leitet, und für aufgeräumte Verhältnisse und Erneuerung der Demokratie arbeitet.
Auch der Lokaljournalist oder Lokalzeitungsverleger gerät dabei in die sagenhafte „Augias-Falle“, denn der Lohn für seine Arbeit ist nicht mehr gesichert. Er wird ins Ausland verwiesen, um sich dort gegen hohe laufende Kosten mit einem externen Anzeigensystemen zu konnektieren, das ihm Werbeeinnahmen verspricht. Leider ist das in Zeiten von Hyperkomplexität und Nachrichtenflut kein Ausweg mehr. Die typische deutsche Stadt und ein einzelner Berliner Bezirk sind zu klein, um ausreichende Klickzahlen zu generieren. Ein Systemwechsel in der Finanzierung des Journalismus & Lokaljournalismus ist heute unabdingbar!
Neuer verantwortlicher Journalismus in Zeiten von KI-Systemen
Der Systemwechsel wird „zivilisationsnotwendig“ und unverzichtbar für eine freiheitliche zukunftsoffene Stadtgesellschaft! — Denn Journalismus bekommt im Zusammenwirken mit neuen digitalen Medien, Netzwerken, Plattformen und weltumspannenden Technologien einen erweiterten Grundauftrag. Dieser Grundauftrag muss aber erst noch explizit formuliert werden. In einer interkulturellen Stadtgesellschaft, die arbeitsteilig mit medialen und digitalen Technologien zusammenwirkt und zusammenarbeitet, ist der dauerbeobachtende Lokaljournalist allein in der Lage, als neutraler Beobachter und Berichterstatter zu fungieren. Zudem kann der dauerbeobachtende Lokaljournalist auch die Rolle der unbestechlichen „Marktaufsicht“ einnehmen, und für Transparenz und Sichtbarkeit, sowie Inklusion eintreten.
Die Grundlagen wurden im RealLabor in Berlin analysiert, erforscht und getestet. Dabei entstand die Vision einer „intelligenten, sozialen und inklusiven Stadt“, die mit dem Kürzel „SmartCity“ bezeichnet wird. Diese baut auf mehr als nur Daten-, Netzwerks- und Plattformökonomien auf, und eröffnet individuelle Freiheiten und kreative Entfaltungsfreiheiten — mit mannigfaltigen digitalwirtschaftlichen Chancen und Handlungsmöglichkeiten in allen medialen Dimensionen. Öffentliches Publizieren – statt posten wird gefördert!
Lokale volkswirtschaftliche Wertschöpfung, soziale Medienkompetenzen, kreatives und kulturelles Kapital können gestärkt werden, und sich ungehindert und grundrechtskonform entfalten. Vor allem entsteht eine neue Anforderungskultur, die „Literacy & Kreativität“ neu herausfordert!
Der Preis einer neuen, smarten medialen Freiheit:
Journalisten und Verleger legen alle MediaBudgets und Honorare frei wie Rechtsanwälte „vor der Redaktionstür“ selbst fest!
Jede SmartCity und ihre „Citizens“ und Gäste haben das unabdingbare Recht auf eine „allgemein-öffentliche und inklusive“ Medienebene mit Presseprivileg!
Weitere Informationen:
Berlin: ein Brandenburger Tor und ein Markt!
VIDEOLINK: Die 12 Arbeiten des Herkules – Komplett – Griechische Mythologie – YouTube-Video
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